YogaHerzRaum

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  Yoga-Philosophie

(Patanjali und Pradipika, großes Sanskrit-Glossar und kleine Mantren-           Sammlung, alte Schriften und moderne Übersetzungen)




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von  YOGANIA

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Die fünf klassischen Wege des Yoga


1. Karma Yoga, der Weg des Handelns,
2. Bhakti Yoga, der Weg der Hingabe an Gott,
3. Raja Yoga, der Weg der Kontrolle des Geistes,
4. Hatha Yoga, der Weg der Energie,
5. Jnana Yoga, der Weg der Erkenntnis.



Um die unterschiedlichen Kräfte des Menschen


Geisteskraft, emotionale Energie und Handlungskraft


optimal auszurichten und einzusetzen, wurden fünf verschiedene Yoga-Wege entwickelt, die in ihrer Gesamtheit, sorgfältig auf den Charakter, die Möglichkeiten und Neigungen des einzelnen Menschen abgestimmt, zu vollkommener Entwicklung und Entfaltung des ganzen Menschen führen.


1. Karma Yoga - der Weg des Handelns
Viele Menschen haben in ihrem Berufs- und Familienalltag kaum Zeit für Körper-, Atem- und Meditationsübungen, doch wenn wir unser tägliches Handeln selbst als Übungsfeld verwenden, so können wir 16 oder 17 Stunden am Tag "Yoga üben"! Genau dies geschieht im Karma-Yoga, womit dieser Yoga-Weg zu einem sehr mächtigen Werkzeug der Selbsttransformation wird.
Das Prinzip des Karma Yoga ist es, unsere alltäglichen Handlungen zu spiritualisieren, das heißt, in einem ganz bestimmten Geist zu vollziehen:

Ich handle sehr bewusst und konzentriert, achtsam und sorgfältig. Es ist, als würde jede meiner Handlungen zu einem Kunstwerk werden. Durch die bewusste Beobachtung der eigenen Gedanken, Gefühle und Widerstände während der jeweiligen Tätigkeit kann man sehr viel über sich selbst lernen und auf diese Weise persönlich wachsen.

Ich tue, was zu tun ist, nicht was am einfachsten ist oder am meisten Spaß macht. Ich stelle meine Kraft der vorliegenden Aufgabe zur Verfügung und erfülle sie, so gut ich es vermag.
Ich handle selbstlos und ohne Früchte für meine Handlung zu erwarten. Ich erwarte keine Belohnung, kein Lob, und wenn man mein Handeln tadelt, so bin ich darüber nicht betrübt, denn ich weiß, ich habe mein bestes getan.
Ich habe bei allem das Gefühl, dass DURCH mich gehandelt wird, dass mein Körper und mein Geist lediglich Vollzugsorgane sind, durch die sich die göttliche Weisheit und Liebe ausdrückt:
"Wenn du schreibst, bewegt sich die Feder. Ist es die Feder, die schreibt?"

" Ich handle so, wie es in dieser Situation für alle Beteiligten am besten ist, nicht für meinen persönlichen Vorteil; ich betrachte die Aufgabe aus einer höheren als der persönlichen Sicht und fühle mich als Teil des Ganzen.
Im Karma Yoga geht es um die Einstellung während der Handlung. Möglicherweise verändert sich die Handlung kaum (außer dass sie wahrscheinlich vollkommener, konzentrierter wird), doch das wesentliche ist die innere Haltung beim Handeln.
"Tue deshalb, was getan werden muss, aber selbstlos und ohne persönliche Bindung. Wer völlig selbstlos handelt, gelangt zum höchsten Selbst." Bhagavad Gita 3,19


2. Bhakti Yoga - der Weg der Hingabe
Jeder Mensch verfügt über ein gewisses Potential an "Gefühlsenergie". Wenn wir diese Energie, die sich oft auf recht destruktive Weise ausdrückt (Hass, Aggression), umzuwandeln und zu kanalisieren vermögen, kann sie zu "Wasser auf der spirituellen Mühle" werden und zu einer ungeahnten Entwicklung und zu schnellem Wachstum führen.
Bhakti Yoga ist der Prozess der Umwandlung und Ausrichtung unserer emotionellen Energien; Bhakti Yoga verwandelt "Emotion in Devotion (Hingabe)". Bhakti Yoga wird von vielen Yoga-Meistern als der in diesem Zeitalter schnellste und leichteste Weg zu Gott, als eine Art "Express-Zug" zu geistiger Reinheit und Erweiterung des Bewusstseins bezeichnet.

Es geht im Bhakti Yoga um das Fühlen und Erfahren einer universalen, inneren Göttlichkeit, und nicht um blinden Glauben aufgrund eines Dogmas oder um bestimmte Rituale. Deshalb kann Bhakti Yoga als überkonfessionell betrachtet werden - jeder Mensch, gleich welcher Religionszugehörigkeit, kann Bhakti Yoga mit den ihm vertrauten Riten, Formeln und Namen durchführen.
Alle rationalen, intellektuellen und dogmatischen Überlegungen, alle Diskussionen, auf welche Weise welche Gottheiten oder Menschwerdungen Gottes angebetet werden sollen, führen nirgendwohin, außer zu Spannungen und Spaltung zwischen den Menschen. Das Reich des Bhakti liegt jenseits des Geistes, des Intellekts und kann nur durch eigene Erfahrung, durch Hingabe an ein Form, die sich für dich richtig und "stimmig" anfühlt, betreten werden.
Gott ist es nicht wichtig, in welcher Form, auf welche Weise du ihn anbetest, solange du nur tiefe Sehnsucht nach Ihm fühlst:
"Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken."
(Mt 22,37)

Es ist eine Erfahrung aller sich bewusst und praktisch mit Yoga auseinandersetzenden Menschen, dass das religiöse Leben, gleich welchem Glauben man angehört, durch Yoga eine deutliche Vertiefung und Bereicherung erfährt.
Es ist bemerkenswert, dass selbst eher rationale, intellektuelle Menschen, die über eine gewisse Zeit andere Yoga-Techniken üben, mehr und mehr das Gefühl des Bhakti erfahren. Das Potential des Bhakti im Menschen kann durch jeden Yoga-Weg geweckt werden!

Bhakti ist der Ausdruck höchster Freude und Ganzheit - und wenn du dies durch die Stille tiefer Meditation erfährst, so ist wie ein Blitzstrahl Bhakti in dir, vielleicht ohne dass du dich jemals mit dem Weg der Hingabe beschäftigt hast! Je größer die Stille und Reinheit in dir wird, je ruhiger dein Geist geworden ist, desto mehr öffnet sich etwas in dir, das sich als höchste Wonne des Bhakti ausdrückt - du musst dies nicht suchen, es kommt von selbst zu dir!
Oder in einer Asana, einer Yoga-Körperübung: Der Körper wird still und stiller, du entspannst tief und lässt innerlich los - und plötzlich verändert sich die Wahrnehmung deines Körpers und seiner Stellung. Es ist, als würdest du die Unendlichkeit berühren, es ist in dieser Stellung, in dieser Stille, in dieser Berührung etwas so Heiliges und Schönes, dass du gebannt bist und fühlst - Seine Hand hat dich berührt!
Der Bhakti Yogi sieht und fühlt Gott in allem; alles, was er berührt, ist heilig, durchtränkt von Gottes Licht. Wie leicht kann man da auch mit unangenehmen Situationen fertig werden, wenn auf allen Dingen gleichermaßen der Hauch des Göttlichen liegt!

Hingabe an Gott, das Gefühl des Selbstvergessens öffnet auch die Tore der göttlichen Gnade, welche immer vorhanden ist, die aber erst erfahren werden kann, wenn man "seinen Empfänger auf die göttliche Wellenlänge eingestellt hat". Dann ergießt sich die göttliche Gnade über den Bhakti-Yoga-Übenden. Sie äußert sich in innerer Führung, im deutlichen Gefühl des "Mit dem Ganzen Fließens" und in einer beständigen, überwältigenden Freude. Wenn der Geist ein gewisses Maß an Reinheit erreicht hat, beginnt göttliche Gnade spontan zu fließen.

Das Wort Gottes spricht (Bhagavad Gita 8,14 und 9,22):
"Wer immer an Mich denkt und nie seine Gedanken auf etwas anderes richtet, der ist ein gottergebener Yogi und für ihn bin Ich leicht zu erreichen."
"Wer Mich anbetet und in nichts anderem seine Zuflucht sucht, wer immer durch seine Ergebung in Liebe mit Mir vereint ist, ihm verleihe Ich das Reich des Unvergänglichen."


3. Raja Yoga - der Weg der Kontrolle des Geistes
Der Grundgedanke des Raja Yoga ist bestechend einfach. Er besagt, dass alle Probleme und alles Leiden des Menschen aus der Tätigkeit des Geistes entstanden sind und dass folglich die Lösung auch im Geist gesucht werden muss. Raja Yoga, der königliche Yoga-Weg (Raja bedeutet König) strebt die Kontrolle und Konzentration des Geistes an.
Der Geist wird in Raja Yoga mit einem See verglichen, dessen Oberfläche durch dauernden Wind aufgeraut wird, sodass das Spiegelbild des Mondes nicht erkennbar ist. Erst durch das Nachlassen des Windes - unserer geistigen Bewegungen - beruhigt sich die Wasseroberfläche und wird schließlich zu einem Spiegel, in dem wir unser wahres Selbst erkennen können.
In stets tiefer werdenden Meditationen wird das Denken beobachtet und der im Innern wachsenden Stille Raum gegeben, während die Gedanken abklingen und der Meditierende ruhig und friedvoll in seiner Mitte ruht.

Aber nicht nur in der Meditationsübung wird diese Stille gepflegt, sondern auch im Alltag, wo die in der Meditation genährte Stille sowohl fortwirkt als auch bewusst vertieft wird: man beobachtet die Tätigkeit des Geistes bei den alltäglichen Handlungen, nimmt Abstand von Wollen und Nichtwollen, von Urteilen, Hoffnungen und Ängsten, indem man seine Existenz vollkommen in dem Augenblick des Hier-Jetzt konzentriert.





Ashtanga Yoga

Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hat der große Yogi und Kenner des menschlichen Geistes, Patanjali, den Weg des Yoga beschrieben, der uns in acht Stufen (ashta = acht; anga = Glied, Teil) von Achtsamkeit und Selbstdisziplin im Alltag über Stillwerden von Körper und Atmung zu Meditation und schließlich zur Vollendung und Erfüllung unseres Menschseins führt. Dieses Konzept wird im allgemeinen dem Raja Yoga zugeordnet, ist aber auch für alle anderen Yoga-Wege relevant.
Anmerkung: Der hier beschriebene klassische Ashtanga-Yoga hat mit der modernen westlichen Yoga-Gymnastik gleichen Namens nichts als den Namen gemeinsam!

Die acht Stufen sind:
1. YAMA, die Verbote
2. NIYAMA, die Gebote
3. ASANA, die richtige Sitzstellung
4. PRANAYAMA, das Stillwerden des Prana
5. PRATYAHARA, das Zurückziehen der Sinne
6. DHARANA, die Konzentration
7. DHYANA, die Meditation
8. SAMADHI, der überbewusste Zustand


Wegen seiner großen Bedeutung und zum tieferen Verständnis der Yoga-Philosophie möchte ich auf den achtfachen Weg etwas ausführlicher eingehen:

Die 1. Stufe: YAMA - die Verbote
Am Beginn des Yoga-Weges steht das Freiwerden von belastenden und verunreinigenden geistigen Inhalten und Tendenzen. Dies ist nicht nur eine wesentliche Grundlage für die Meditation, sondern das Befolgen dieser Verbote (man beachte die große Ähnlichkeit mit einigen der christlichen 10 Gebote!) verhilft dem Menschen auch im Alltag zu spürbar mehr Harmonie, Frieden und Freude. Es gibt 5 Verbote:
1. AHIMSA, das bedeutet Nichtverletzen, Gewaltlosigkeit in Gedanke, Wort und Tat. Dies bedeutet, nicht nur von physischen oder geistigen Schädigungen (Intrigen, Betrug, Verleumdung) Abstand zu nehmen, sondern auch, niemandem etwas Böses zu wünschen und sich nicht am ("wohlverdienten") Leid eines anderen zu ergötzen. Das Gebot des Nichtverletzens erstreckt sich auf Menschen, Tiere und leblose Dinge - und natürlich auch auf sich selbst.
In letzter Konsequenz lebt der Yogi in einem Bewusstsein, in einem Feld des Friedens, in dem nicht einmal mehr der Gedanke des Verletzens vorhanden ist. Von einem solchen Menschen sagt Patanjali, dass "in seiner Gegenwart alle Feindschaft verschwindet."
2. SATYA, die Wahrhaftigkeit ist ebenfalls mehr als nicht zu lügen; es bedeutet ein Leben, ein Bewusstsein, das in allen Bereichen wahr und klar ist. Nur wer die Wahrheit auf allen Ebenen seines Wesens lebt, sozusagen "auf einer Wellenlänge mit dem Universum schwingt", vermag am Ende zur großen Wahrheit - zur Erfahrung Gottes - zu gelangen.
3. ASTEYA, Nichtstehlen, heißt, nichts zu nehmen, was einem nicht gehört oder nicht zusteht. Die rechten Besitzverhältnisse sollen im Sinne der Wahrhaftigkeit gewahrt bleiben. Patanjali sagt: "Wer im Nichtstehlen fest begründet ist, dem fließt aller Reichtum zu."
4. BRAHMACHARYA bedeutet "Sich im Gottesbewusstsein bewegen". Brahmacharya wird oft als Keuschheit und Zölibat bzw. sexuelle Enthaltsamkeit interpretiert, umfasst im weiteren Sinn aber auch alle anderen Lebensbereiche.
Das freizügige Sich-den-Sinnen-Hingeben erzeugt Unruhe im Geist und zerstreut Energie. Dies gilt für alle Sinne - für das Fühlen, das Schmecken, das Riechen, das Hören und das Sehen.
Brahmacharya bedeutet, sich von äußeren, sinnlichen Dingen allmählich zurückzuziehen, um zu seiner Mitte zu finden und tiefen Frieden zu erfahren. Dem seine Sinne beherrschenden "Brahmacharin" wird kraftvolle Vitalität, strahlende Energie und ein klarer Geist in Aussicht gestellt.
Allerdings ist plötzliche und erzwungene Abkehr vom weltlichen und sexuellen Leben meist nicht zielführend und kann überdies ein Verstoß gegen das erste Gebot, Ahimsa (Nicht-Verletzen), gegenüber dem Partner / der Partnerin sein.
5. APARIGRAHA, Nichtbegehren. In unserer Zeit der "Wachstumskultur" und stetigen Unzufriedenheit ist das Nichtbegehren ein Schlüsselgebot: Machen wir uns bewusst, dass all unser Besitz nur von Gott geliehen ist. Wir sind nur Verwalter, nicht Eigentümer. Wer das Prinzip des Nichtbegehrens zu leben vermag, erfährt großen inneren Frieden, denn durch das Loslassen der Gier wird er auch von den Dingen nicht mehr "besessen".

Die 2. Stufe: NIYAMA - die Gebote
Während die Yamas, die "yogischen Verbote" zu den allgemeinen und für jeden Menschen wichtigen Richtlinien zählen, sind die Gebote, die Niyamas, eine Form spezieller Disziplin für den Menschen, der durch Meditation, Innenschau und innere Reinigung spirituell-ganzheitlich wachsen möchte. Die Verbote beseitigen astrale und mentale Unreinheiten, die Gebote bauen nun positive Werte und Reinheit auf, welche eine stabile Grundlage für die durch Meditation angestrebte Transformation des Menschen schaffen.
Es gibt fünf Gebote:
1. SAUCHA ist die Forderung nach Reinheit. Saucha bedeutet mehr als körperliche Reinheit - das Gebot der Reinheit umfasst auch die energetische, die geistige und die psychische Ebene sowie die Reinheit der Motive und der Wahrnehmung. Alle Techniken des Yoga streben eine vollständige Reinheit auf allen Ebenen unseres Wesens an.
Diese Reinigung ist wie das Entfernen einer Menge Schutt aus einem Kanal: das Wasser kann dann wieder frei fließen - in unserem Zusammenhang bedeutet das, dass die göttliche Energie und Gnade wieder durch uns hindurch fließen kann, weil wir als ganzes - Körper, Geist und Seele - gereinigt sind.
2. SANTOSHA bedeutet Zufriedenheit. Frieden in sich zu fühlen ist das Ziel und auch der Weg. Dieser Frieden bildet eine wesentliche Grundlage für die Meditation und übt positiven Einfluss auf die Gesundheit und auf die gesamte Lebensqualität aus.
3. TAPAS heißt wörtlich Feuer. Yoga betrachtet Askese und Selbstdisziplin als reinigendes Feuer, das geistige und astrale Unreinheiten verbrennt. Sich gehen zu lassen führt zu Trägheit. Die vorübergehende "Einengung" durch Selbstdisziplin führt jedoch zu wirklicher Freiheit und zu persönlichem Wachstum.
Beispiele für Askese sind etwa das Fasten, das frühere Aufstehen, um zu meditieren, und ganz allgemein, Dinge zu tun, die ein wenig anstrengend oder unangenehm sind, die man aber als gut und heilsam erachtet. Andererseits gilt es auch Dinge zu unterlassen, die man gern tun würde, weil sie einem Vergnügen versprechen, während man weiß, dass das Vergnügen mit späterem Leiden zu bezahlen ist.
4. SVADHYAYA, das Selbststudium, kann aus 2 verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden:
Zum einen die kritische Selbstbeobachtung, Selbstbefragung und Innenschau: wir werden uns Gedanken und Gefühle und deren Ursprung in den verschiedenen Situationen bewusst und beginnen damit geistige Zusammenhänge zu verstehen und auch Einfluss auf die Gedanken und Gefühle zu nehmen.
Andererseits bedeutet Svadhyaya das Studium der geistigen Gesetze und Zusammenhänge. Das Lesen der Bibel, der Bhagavad Gita und anderer heiliger / spiritueller Schriften erhebt den Geist und führt zu innerer Reinheit.
5. ISHVARA-PRANIDHANA: die Hingabe an Gott, in welcher Form und Religion das auch immer geschieht, ist ein sehr wichtiger Aspekt jedes geistigen Fortschritts. Wir können dies sowohl auf der Ebene des formalen Gottesdienstes, mit Zeremonien und Gebeten, als auch auf der Ebene des lebendigen Fühlens der Gegenwart Gottes in alltäglichen Situationen verstehen.

Die 3. Stufe: ASANA - die richtige Sitzstellung
Die vielen in Yoga-Kursen praktizierten Körperübungen, die Asanas, sind nur eine Vorbereitung auf die "eigentliche" Asana, die meditative Sitzstellung. Durch die verschiedenen Übungen wird der Körper gesund, stark und stabil, das Körperbewusstsein verbessert sich. Dann wird man bereit, die meditative Sitzstellung einzunehmen und diese still und entspannt zu halten. Still und entspannt, dies sind die zwei Eigenschaften, mit denen Patanjali die meditative Sitzstellung charakterisiert.
Wird die Meditation tiefer, so wird auch die Körperhaltung ruhiger und fester, und man hat immer weniger das Bedürfnis, sich zu bewegen; es ist, "als wäre der Körper gar nicht mehr so vorhanden wie sonst", es ist wie ein Vergessen, ein vorübergehendes Zurücklassen des Körpers. Und daraus wird die Meditation noch tiefer.

Die 4. Stufe: PRANAYAMA - das Stillwerden des Prana
In gleicher Weise sind die Atemübungen im Yoga-Kurs eine Hinführung zum "eigentlichen" Pranayama, dem meditativen Stillwerden der Atmung. Hat man durch die verschiedenen Übungen Kontrolle über die Atmung erlangt und ist der Körper still geworden, so wird auch die Atmung mit zunehmender Konzentration immer leichter, feiner und subtiler - bis man das Gefühl hat, dass man fast nicht mehr atmet. Dies bedeutet, dass die Bewegung des Prana (der Energie) sehr still geworden ist.
Da sowohl Atmung als auch Geist Manifestationen des Prana sind, ist damit auch der Geist sehr ruhig geworden - gleich einer Kerzenflamme an einem windstillen Ort - , womit optimale Voraussetzungen für sehr tiefe Meditation gegeben sind.


Die 5. Stufe: PRATYAHARA - das Zurückziehen der Sinne
Aus dem in den vorhergehenden Stufen erreichten Stillwerden des Körpers und des Pranas folgt spontan und natürlich das Stillwerden der Sinne. Denn die Sinnesorgane "funktionieren" mit Prana. Ist ihnen aber der "Treibstoff" entzogen, so führen sie keine Sinneswahrnehmungen mehr in das Zentralnervensystem und im Geist herrscht tiefe Stille.
Das Zurückziehen der Sinne kann im Alltag gefördert werden, indem man sich, soweit dies möglich ist, aus dem Trubel von Medien, Werbung und ähnlichem zurückzieht und zunehmend in einem "Feld der Stille" lebt.

Die 6. Stufe: DHARANA - die Konzentration
Wurden Geist und Körper durch die ersten 5 Stufen vorbereitet, so lässt sich der Geist leicht auf ein Meditationsobjekt konzentrieren. Das kann ein Mantra sein, die Atmung, ein Chakra, ein Jesus- oder Marienbild, oder man kann die eigenen Gedanken beobachten.
Wenn der Geist mit höchster Ausschließlichkeit auf das gewählte Objekt gerichtet und dort fest gehalten wird, so beginnt sich im Geist des Übenden eine subtile Veränderung zu ergeben:

Die 7. Stufe: DHYANA - die Meditation
Die "Anstrengung" der Konzentration weicht einem natürlichen, spontanen und mühelosen Fließen der Aufmerksamkeit. Wenn man das Gefühl hat, dass man die Aufmerksamkeit nicht mehr auf das Objekt richten muss, sondern nur noch dieses Objekt da ist, und man sich in höchster Stille mit dem Meditationsobjekt verschmolzen fühlt, dann befindet man sich im Zustand der Meditation.

Die 8. Stufe: SAMADHI - der überbewusste Zustand
Wenn das Meditationsobjekt sich schließlich auflöst und der Meditierende in einem Zustand reinen Seins, ohne jede Bewegung, Eigenschaft und Begrenzung ruht, und wenn aus dieser höchsten, heiligen Stille eine unaussprechliche Wonne emporquillt, eine Wonne, die jede einzelne Zelle in eine ganze Sonne höchster Freude verwandelt, dann befindet man sich in Samadhi.


Diese acht Stufen des Ashtanga Yoga bilden eine fundierte und solide Anleitung für die Meditation, welche dem Anfänger und dem Fortgeschrittenen gleichermaßen von großem Nutzen sein kann. Wir werden etlichen Elementen des Ashtanga Yoga in späteren Kapiteln nochmals begegnen, da sie uns auch im Alltag von großer Hilfe sein können.



4. Hatha Yoga - der Weg der Energie
Der Begriff Hatha setzt sich aus 2 Teilen zusammen, Ha und Tha: Ha steht für das Sonnen-Prinzip und Tha für das Mond-Prinzip. Sonne und Mond versinnbildlichen die in jedem Menschen und tatsächlich in jedem lebenden Wesen wirksamen Energiequalitäten: unser männlicher und weiblicher Energieaspekt, Logik und Kreativität, Aktivität und Stille usw.
Das Ziel des Hatha Yoga ist es, einen harmonischen Gleichklang zwischen diesen elementaren Kräften herzustellen und zu erhalten. Das Ergebnis ist ein seelisch-emotionaler Gleichgewichtszustand, eine innere Harmonie und Ruhe, die für die meisten Menschen eher einen recht seltenen Ausnahmezustand darstellt als ein normales Befinden.

Zudem erhöhen die Hatha-Yoga Übungen das gesamte Energieniveau des Menschen und das macht sich in allen Bereichen des Lebens positiv bemerkbar: Lebensfreude, Mut und Zuversicht nehmen zu, die Abwehrkraft gegen Krankheiten verbessert sich beträchtlich und vieles mehr.

Die Funktionsweise des Hatha Yoga
Das Ergebnis langer Studien der energetischen und psychischen Strukturen des Menschen war die Entwicklung jener hochwirksamen Körper- und Atemtechniken des Hatha Yoga, die heute auf der ganzen Welt geübt werden. Ihre bemerkenswerte Wirksamkeit beziehen diese Techniken aus der Tatsache, dass es sich nicht um rein körperliche bzw. Atemübungen handelt, sondern eigentlich um Energieübungen, die den Körper bzw. die Atmung als Instrument einsetzen, um Energiemuster im Astralkörper zu verändern. Aus der Veränderung der Energiemuster in den astralen Schaltstellen und Energiebahnen resultieren Veränderungen auf der physischen, geistigen, psychischen und seelischen Ebene.
Diese Veränderungen führen dazu, dass man sich nach dem Yoga-Üben allgemein besser, heller, klarer, optimistischer und reiner fühlt.
Die Wissenschaft untersucht die messbaren Veränderungen im Körper - Blutdruck, Gehirnströme, Sauerstoffgehalt im Blut und vieles mehr - doch diese Veränderungen, so wunderbar sie anmuten und die Wirkungen aller anderen Körperübungen übertreffen, sind nur ein Abbild der Geschehnisse in den Tiefen unseres Energiekörpers.
Der Schlüsselbegriff im Hatha Yoga ist PRANA. Prana ist die Lebensenergie, die für alle Manifestationen des Lebens verantwortlich ist. Die Pranamenge, -qualität und -bewegung bestimmt das Schicksal unseres Körpers, unserer Gedanken, unseres ganzen Lebens. Hatha Yoga ist die Wissenschaft, die direkt in diese Pranastruktur eingreift und diese mit unglaublicher Effektivität stärkt und balanciert.

Nach der Yoga-Philosophie besteht der Mensch aus drei Körpern verschiedener "Dichte", aus dem physischen, dem astralen und dem kausalen Körper. Der physische Körper interagiert mit der materiellen Welt, der Astralkörper liefert die dafür nötige Energie, Gedanken und Gefühle, und der Kausalkörper ist die treibende Kraft hinter unserer Inkarnation.

Hatha Yoga, die Eintrittspforte in Yoga
Der "Haupteingang" in Yoga ist für die meisten Menschen sicherlich der Hatha Yoga. Dies ist deshalb so, weil man durch Körperübungen sehr direkt und schnell die positiven Wirkungen des Übens erfahren kann.
Entgegen einer möglicherweise vorhandenen Ansicht, Hatha-Yoga wäre nur für junge und bewegliche Menschen geeignet, halte ich prinzipiell jeden Menschen für geeignet, Hatha-Yoga zu üben. Einzelne Menschengruppen (Schwangere, ältere Menschen oder Personen mit bestimmten Gebrechen oder nach Operationen) müssen bei einigen Übungen Vorsicht walten lassen oder Übungen überhaupt (vorübergehend) auslassen, doch die Arbeit an unserem Energiesystem steht grundsätzlich jedem Menschen offen.



"Hatha Yoga ist ein göttlicher Segen"

Hatha Yoga ist der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte.
Es gibt viele Möglichkeiten einer völligen Regeneration. Unbestritten und einzigartig steht jedoch Hatha Yoga über allem. Er ist das vollkommenste System. Hirn, Muskeln, Nerven, Organe und Gewebe werden belebt und gestärkt. Alle chronischen Krankheiten werden ausgelöscht. Wer Hatha-Yoga übt, kann einen gesunden Körper und Geist erlangen. Wenn man regelmäßig Yoga-Übungen macht, wird man immer in Form sein. Hatha Yoga ist ein göttlicher Segen. Er ist eine einzigartige Verteidigungswaffe gegen alle widrigen Mächte im Bereich des Stofflichen und Spirituellen.
(Aus dem Vorwort des Verlegers zum Buch "Hatha Yoga" von Swami Shivananda)



5. Jnana Yoga - der Weg der Erkenntnis
Jnana Yoga strebt das Ziel des Yoga durch Erkennen der tieferen Zusammenhänge unseres Seins an: Was ist wirklich, was ist unwirklich? Wer ist dieses Ich, das sagt: Ich bin, Ich will....? Was in mir selbst ist das, was bleibt nach dem Tod? Welcher Teil von mir ist vergänglich, veränderlich und damit nicht wirklich? Der Jnana-Yogi sucht diesen "wahren" Teil seiner selbst zu erkennen und sich nur mit diesem zu identifizieren.

In der Jnana-Yoga Meditation geht es darum, die Identifikation mit allen Dingen der "Maya" (Maya bedeutet "Scheinwelt", unwirkliche Welt) zu lösen, die unendliche Allgegenwart (die in Bhakti Yoga "Gott" genannt wird) zu erfühlen und sich allein mit diesem höchsten, sich stets gleichbleibenden Sein zu verbinden.
Zur Darstellung und Verdeutlichung der Zusammenhänge werden im Jnana Yoga oft Gleichnisse beschrieben. Das wohl bekannteste Gleichnis ist die Geschichte von "Schlange und Seil":
Es war schon dunkel, als der Mann heimkehrte. Plötzlich stieg er auf etwas, das nur eine riesige Kobra sein konnte. Zu Tode erschrocken sank er nieder, nur um wenig später erleichtert aufzuatmen: was er im ersten Augenblick für eine Kobra hielt, war ein auf der Straße liegendes Seil.
In diesem Aufatmen, diesem Lichte des Erkennens - wo ist die Kobra? War da jemals eine Kobra? Sie war nur in seinem Geist, nur in seinem unrichtigen Erkennen.

Der Jnana-Yogi strebt das Erkennen der Wahrheit an. Er möchte den "Kobra-Glauben" durch das "Seil-Erkennen" ersetzen. Er will mit allen Fasern seines Wesens eins werden mit der höchsten, der letzten Wahrheit, die im Yoga den Namen "Advaita Vedanta" trägt, das höchste, letzte Erkennen.

Ein weiteres Beispiel:
Da ist ein Glas Wasser. Es sagt: "Ich bin 0,2 Liter Wasser, in runder Form, oben und unten jedoch flach. Ich habe 18,3 Grad Celsius und bin farblos."
Eines Tages zerbricht das Glas, 0,2 Liter Wasser landen irgendwie im Meer. Was sagt das Wasser? "ICH bin tot. Ich bin nicht mehr "runde Form, oben und unten flach, ....., ich existiere nicht mehr. Oh, welch unendlicher Schmerz."
Das "vedantische Wasser" (in einem gleichgroßen Glas nebenan, welches ebenfalls zerstört wurde), sieht das anders. Es sagt: "Ich bin Wasser. Heute in dieser Form, morgen in jener. Heute in dieser Menge, morgen in einer anderen. Doch immer bin ich WASSER. Was kümmert mich die veränderliche Form, die Temperatur, die Menge? Immer und immer und immer bin ich Wasser."

Der Vedantin fühlt, weiß und erfährt, dass der Körper und der Geist nur veränderliche, begrenzende Hüllen sind für das Unendliche, Göttliche, das im Jnana Yoga "Brahman" genannt wird.
Und dieses Unendliche ist es, was immer gleich bleibt, unveränderlich und unzerstörbar.
Diese Zusammenhänge zu verstehen und zu akzeptieren ist jedoch nicht genug. Sie zu glauben ist nicht genug. Man muss mit ihnen verschmelzen, sie vollkommen in sein Wesen integrieren - erst wenn man zu dieser Wahrheit WIRD, wenn man sie erfährt, trägt der Jnana Yoga Früchte. Jnana Yoga wird als der anspruchsvollste Weg des Yoga bezeichnet. Die Jnana-Techniken der Vedanta-Kontemplation und Meditation bleiben zumeist fortgeschrittenen Yogis vorbehalten.



Integraler Yoga
In der Praxis wird nicht lediglich einer dieser fünf Yoga-Wege beschritten, sondern vielmehr eine Kombination, wobei der Schwerpunkt je nach persönlicher Neigung auf einen oder zwei der beschriebenen Wege gelegt wird. Der Vorteil des integralen Yoga liegt darin, dass alle Ebenen des Menschen angesprochen und entwickelt werden und in der Anpassungsfähigkeit an die Situation und Möglichkeiten des einzelnen Menschen.

"Eine einseitige Entwicklung ist nicht geraten. Handlung, Gefühl und Intellekt sind die drei Pferde, die vor den Körperwagen gespannt sind. Sie müssen vollkommen harmonisch und im Gleichklang arbeiten. Nur dann läuft der Wagen ruhig.
Nur der integrale Yoga bringt eine umfassende Entwicklung. Nur der Yoga der Synthese entwickelt Hand, Herz und Hirn und führt zurVollkommenheit."
Swami Shivananda

 

 

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