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9. Mai 2016, 13:56 Uhr

Von Werner Bartens

PsychosomatikFreunde sind wirksamer als Morphin




Ein reges Sozialelleben kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken.




Es muss nicht mal eine ganz enge Beziehung sein: Ein großer Freundeskreis lindert Schmerzen und wirkt sich günstig auf Herz, Kreislauf und Immunsystem aus.




Freunde helfen nicht nur bei Umzug und Liebeskummer - sie sind auch wirksamer als Morphium. Wer Schmerzen hat, muss sich also nicht zwangsläufig bei der Produktpalette der Pharmaindustrie bedienen, sondern kann auf seine engsten Vertrauten setzen. Zwar macht das wohlige Gefühl, gut aufgehoben unter Freunden zu sein, den Griff zur Tablettenschachtel nicht in jeder Lebenslage überflüssig. Doch je größer das Netzwerk aus guten Bekannten ist, auf das man sich verlassen kann, desto mehr Schmerzen lassen sich aushalten, wie Forscher aus Oxford in der aktuellen Ausgabe des FachmagazinsScientific Reports zeigen. Schmerzempfindlich sind demnach vor allem die Einsamen und Isolierten.

Die experimentellen Psychologen Katerina Johnson und Robin Dunbar haben die Schmerztoleranz von Freiwilligen untersucht und dabei festgestellt, dass Menschen mit einem großen Freundeskreis offenbar mehr körpereigene Endorphine ausschütten. "Endorphine sind die natürlichen Schmerzkiller unseres Körpers und geben uns dieses herrliche Gefühl des Wohlbefindens", sagt Johnson. "Sie sind aber auch als Botenstoffe eingebunden, wenn es um den Aufbau von Beziehungen geht - auch deswegen fühlen wir uns so gut, wenn wir unsere Freunde sehen und in Gemeinschaft Schönes erleben."



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Um zu untersuchen, in welchem Ausmaß Freunde dabei helfen können, nicht nur Sorgen, sondern auch Schmerzen zu vertreiben oder wenigstens zu lindern, bedienten sich die Oxford-Wissenschaftler eines vergleichsweise einfachen Versuchsaufbaus: Mehr als 100 Studenten wurden dazu aufgefordert, sich mit dem Rücken gegen eine Wand zu lehnen und dabei die Knie im 90-Grad-Winkel gebeugt zu haben. Egal, wie gut man trainiert ist - irgendwann fangen die Oberschenkel unerträglich an zu brennen. Wie lange die Studenten durchhielten, hing natürlich von ihrer Fitness ab. Doch nachdem die Wissenschaftler diesen Faktor herausgerechnet hatten, stießen sie auf einen weiteren Zusammenhang: Wer früher aufgeben musste, verfügte über weniger Freunde und Bekannte als Versuchsteilnehmer, die erst später ihren Schmerzen nachgaben.

Für die Schmerztoleranz kam es besonders auf die Größe jener Gruppe guter Bekannter an, die von den Wissenschaftlern als "äußere Schicht des Freundeskreises" bezeichnet wurde. Dazu gehörten Leute, zu denen die Teilnehmer wenigstens einmal im Monat, aber seltener als einmal pro Woche Kontakt hatten.






9. Mai 2016, 13:56 Uhr

PsychosomatikQuantität und Qualität der Beziehungen können sogar die Lebenserwartung beeinflussen

Interessanter Nebenaspekt: Wer viel Sport trieb, hielt, unabhängig von seiner größeren Fitness, ebenfalls mehr Schmerzen aus, hatte aber weniger Freunde. Intensive Bewegung ist bekannt dafür, die Endorphinausschüttung zu stimulieren und auf diese Weise die Schmerzschwelle günstig zu beeinflussen. Das "Runner's High" des Läufers wird auf dieses Phänomen zurückgeführt - wird es richtig anstrengend, stellen sich plötzlich Wohlgefühle ein. Ob Sportler einen kleineren Freundeskreis haben, weil sie sich durch häufige Leibesertüchtigung bereits ausreichend mit Endorphinen versorgt fühlen, oder ob ihnen schlicht die Zeit für soziale Kontakte fehlt, weil sie ständig allein auf dem Laufband schwitzen, konnten die Studienautoren allerdings nicht beantworten.



Mit ihrer Untersuchung erfassten die Wissenschaftler zwar nicht, wie viele Endorphine ihre Probanden ausschütteten. In jüngster Zeit haben jedoch mehrere Studien gezeigt, dass bei Menschen mit vielen Freunden und weitverzweigten sozialen Kontakten mehr Endorphine an den Opioid-Rezeptoren im Gehirn andocken, als dies bei scheuen, kontaktarmen Zeitgenossen der Fall ist. Das körpereigene System der Schmerzlinderung - und die damit einhergehende Ausschüttung von Endorphinen ist so stark, dass es die Wirkung handelsüblicher Opiate übertrifft. Wird der Opioid-Rezeptor im Gehirn mithilfe der Substanz Naltrexon experimentell blockiert, werden Versuchsteilnehmer nicht nur schmerzempfindlicher - sie fühlen sich auch sogleich weniger sozial eingebunden.

"Es ist gut, dass diese Zusammenhänge jetzt auch auf neurobiologischer Ebene bestätigt werden", sagt Peter Henningsen, Chefarzt der Psychosomatik an der Technischen Universität München. "Das hilft uns, Patienten mit Schmerzen davon zu überzeugen, dass Therapien, die ihr soziales Verhalten und Erleben beeinflussen, also vor allem die Psychotherapie, sich unmittelbar auf das Schmerzerleben auswirken." Patienten mit Depression und Schizophrenie haben zumeist nur wenige soziale Kontakte. Ein Teufelskreis, denn kürzlich haben Studien gezeigt, dass bei psychisch Kranken auch die Signalweitergabe über den Opioid-Rezeptor beeinträchtigt ist, sodass körpereigene Stimmungsaufheller wie die Endorphine nur bedingt ihre Wirkung entfalten können. Schmerzen werden zwar häufig in der Peripherie des Körpers ausgelöst, wie stark sie ein Mensch empfindet, ist jedoch weitgehend von der Modulation und weiteren Verarbeitung der ankommenden Signale im Gehirn abhängig.


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In der aktuellen Untersuchung hatten Teilnehmer, die sich gestresst und belastet fühlten, ebenfalls einen kleineren Freundeskreis. Dabei können gute Bekannte dazu beitragen, dass Belastungen erträglicher werden - einen Endorphin-Kick vermitteln sie schließlich gleichsam nebenbei. Viele Gründe also, offen für soziale Kontakte zu sein und seinen Bekanntenkreis auszubauen. "Es braucht im Alltag Zeit und Übung, bis man wahrnimmt, wie sich negative oder positive Erlebnisse auf die eigenen Schmerzen auswirken", sagt Psychosomatik-Arzt Henningsen.

Aus evolutionärer Sicht haben soziale Nähe und die Bildung von Gemeinschaften entscheidend dazu beigetragen, dass der Mensch überhaupt von der Frühzeit bis heute überlebt hat. Das Endorphin-System unterstützt die Kontaktaufnahme, denn es wird von einer Reihe gemeinsamer Aktivitäten stimuliert: Wer miteinander Musik macht, tanzt oder lacht, lindert auf diese Weise nicht nur etwaige Pein, sondern verstärkt damit auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Aber auch andere Körpersysteme werden durch einen großen Freundeskreis positiv beeinflusst: Wer sich sozial eingebunden fühlt und sich um andere sorgt und kümmert, hat unter anderem weniger Stresshormone im Blut. Das trägt wiederum dazu bei, dass die Adern weniger verkalken. Deshalb kommen Herzinfarkt und Schlaganfall nicht so oft bei Menschen vor, die viele erfreuliche Kontakte haben. Die Abwehrkräfte stimuliert ein Netzwerk mit guten Bekannten ebenfalls. Diverse nützliche Zellen und Botenstoffe des Immunsystems sind wehrhafter bei jenen Zeitgenossen, die sich von wohlmeinenden Menschen umgeben wähnen - banale Infekte von der Erkältung bis zur Blasenentzündung sind bei ihnen seltener.

"Sowohl die Quantität als auch die Qualität unserer sozialen Beziehungen beeinflussen die Gesundheit und sogar unsere Lebenserwartung", sagt Katerina Johnson. "Als Spezies haben wir uns zwar über Jahrtausende ein Umfeld mit vielen Kontakten geschaffen, doch in der digitalen Ära ist der Mangel an sozialer Interaktion vielleicht ein übersehener Faktor, der zur nachlassenden Gesundheit in vielen modernen Gesellschaften beiträgt."



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 ©SZ vom 09.05.2016
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